Juli 20, 2013
mandarinenfalter

2 comments

Brownies mit gerösteten Kirschen… Weiße Masern…

Kirsch Brownies

Wisst ihr, eine Wand zu streichen ist an sich eine wirklich meditative Sache. Das konzentrierte Umpinseln von Türen und Lichtschaltern und das entspannte Gleiten der Farbrolle über die Oberfläche, versetzt mich irgendwie in eine friedliche Grundstimmung und lässt einem viel Zeit die Gedanken fließen zu lassen. Miss Eliza zieht um. Und da Miss Eliza umzieht, haben wir gestern in ihrer neuen Wohnung viel Zeit für fließende Gedanken gehabt.

Außer mir und natürlich Miss Eliza, war noch Senor Lopez zugegen. Senor Lopez ist der Freund meiner Schwester und Vater meiner Nichte Edbert. Da Edbert ziemlich cool ist, muss ich ihr demnächst mal einen eigenen Eintrag widmen und werde sie bis dahin elegant übergehen. Senor Lopez ist Mexikaner und zu unserem Glück ein wirklich guter Handwerker. Leider ist es so, dass es für mich kein Problem ist a) zu erkennen, wer bei einer Sache mehr Ahnung hat als ich und b) diese Autorität nicht nur klaglos, sondern sogar frohen Herzens anzuerkennen.

Miss Eliza sieht das etwas anders als ich. Ihr Lebensmotto ist mehr: „Selbst ist die Frau“. Was grundsätzlich eine sehr richtige Einstellung ist, beim Streichen einer Wohnung aber zu, äh… sagen wir mal interessanten Momenten führen kann. Zum Glück ist Miss Eliza aber auch eine kluge Frau, so dass sie, wenn sich einmal mehr eine Prognose von Senor Lopez als unerschütterlich wahr herausgestellt hatte, das Ganze unter „Sammeln von Lebenserfahrung“ gedanklich abheften konnte.

Ich selbst streiche Wände mit großem Enthusiasmus, aber wenig Raffinesse. Am Ende ist die Wand dann weiß, aber ich selbst (Arme, Gesicht, Haare) sehe aus als ob ich mir weiße Masern eingefangen hätte. Na gut, dann sieht man wenigstens, dass ich gearbeitet habe. Und überhaupt. Nachdem Senor Lopez (vollumfänglich wahr) vorausgesehen hatte, dass die Farbe nicht ausreichen wird. UND Miss Eliza und ich (in einem seltenen Anfall von Selbstüberschätzung) behauptet hatten, dass sie auf alle Fälle reichen würde. Nachdem wir also einmal mehr das handwerkliche Genie von Senor Lopez anerkennen mussten, sind wir zum Baumarkt gefahren.

Und sind wir einmal ehrlich. An welchem Ort in dieser Welt kann man seine weißen Masern besser spazierenführen als in einem Baumarkt? Wo man quasi überhaupt nicht auftauchen sollte ohne wenigstens einen Blaumann zu tragen oder eben die Spuren gerade erst getätigter handwerklicher Höchstleistungen vorzeigen zu können? Dem Anlass entsprechend, habe ich meine weißen Masern wie das blaue Auge eines Boxers nach einem harten, aber siegreichen Kampf, quasi wie alte Kriegsnarben, aufgetragen. Die bewundernden Blicke ob meiner Handwerkskünste waren mir natürlich sicher.

Die Härte ganz am Ende war dann noch eine Entdeckung meinerseits im Bereich der Laminat- und Parkettabteilung. War irgendjemandem von euch bewusst, dass Harald Glööckler Werbung für so etwas macht? Nein? Na dann stellt euch mal einen extremst retuschierten Harald vor, der sich nackt (Leopardenfelldecke an den strategisch wichtigen Stellen) auf einem Laminatboden räkelt… Ich weiß, ich weiß… die Welt ist eins seltsamer Ort…

Nicht ganz so aufregend, aber trotzdem der absolute Kracher sind übrigens meine Brownies mit gerösteten Kirschen. Die Zubereitung war mal wieder ein Aha-Erlebnis für mich. Aha deswegen, weil ich bemerkt habe, dass ich mit meinen Backkünsten seit meinen Anfängen ein gutes Stück voran gekommen bin. Ich habe diese Brownies nämlich zweimal gebacken. Schon beim ersten Durchlesen des Rezeptes kamen mir Zweifel. Die Mehlmenge erschien mir viel zu hoch, die Zuckermenge zu gering und die Backzeit kam mir viel zu lang vor.

Aber wer bin ich schon, dass ich ein Rezept in Frage stelle? Na offensichtlich bin ich schon wer. Die Brownies waren trocken (zu viel Mehl, zu lange Backzeit) und kein bisschen süß (zu wenig Zucker). Ich muss sagen, dass ich, obwohl die Brownies schrecklich waren, mich sehr über das Resultat gefreut habe. Weil ich dem Rezept das Ergebnis angesehen habe, noch bevor ich einen Handschlag getan hatte. Ich muss zugeben, ich war ein bisschen stolz auf mich.

Da ich mich von einem backtechnischen Misserfolg eher angestachelt als entmutigt fühle, habe ich das Rezept komplett abgewandelt und das Ergebnis war der Oberkracher. Eine meiner Kolleginnen meinte, das wären die besten Brownies gewesen, die sie je gegessen hätte. Woohoooo! Ich fand sie aber auch toll. Durch das Rösten der Kirschen entsteht ein sehr intensiver Kirschgeschmack. Die Brownies selbst sind üppig, cremig, zart, schokoladig…. der Hammer!

Probiert es aus, jetzt gerade ist Kirschzeit. Ihr werdet es nicht bereuen.

PS: Besonders nach einem langen Tag nach meditativem Streichen von Wänden sehr zu empfehlen!

Kirsch Brownies II

Zutaten für eine Form von 22 x 22 cm:

3 Eier
180 Gramm Zucker
80 Gramm Mehl
200 Gramm Schokolade, zartbitter
2 TL Vanille-Extrakt
1 Prise Salz
115 Gramm Butter
300 Gramm Süßkirschen
3 EL Backkakao

Zubereitung:

Den Backofen auf 230 Grad Celsius Ober- /Unterhitze vorheizen. Eine Brownieform von 22 x 22 cm gründlich ausbuttern und mit einem Stück Backpapier auslegen. Die Kirschen entsteinen und mit 2 EL des Zuckers in eine feuerfeste Form geben. Im Backofen für etwa 10 Minuten rösten oder bis die Kirschen anfangen ihren Saft abzugeben. Aus dem Ofen nehmen und beiseite stellen. den Backofen auf 180 Grad Celsius herunterdrehen.

In der Zwischenzeit Schokolade und Butter bei sehr geringer Temperatur in einem kleinen Topf schmelzen. Anschließend den Backkakao unterrühren. Eier und übrigen Zucker cremig aufschlagen. Vanille-Extrakt und Salz untermischen, ebenso die Schokoladenmischung. Das Mehl darübersieben und so kurz wie möglich mit einem Kochlöffel unterheben. Jetzt nur noch die Kirschen dazugeben und alles in dievorbereitete Brownieform gießen. Für etwa 20 Minuten backen oder bis der Schaschlikspießtest noch feuchte Krümel, aber keinen nassen Teig mehr zum Vorschein bringt.

Vollständig auskühlen lassen und anschließend in Würfel schneiden.

Kirsch Brownies

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2 thoughts on “Brownies mit gerösteten Kirschen… Weiße Masern…

  1. Warum heißt denn Mr. Lopez nicht Senor Lopez?!?

    Schön ist es auch, wenn frau am Samstag im Baumarkt nochmal 20 Umzugskartons beschaffen darf OBWOHL sie es war, die meinte „40 reichen nicht, lass uns gleich 60 nehmen“ und damit das Genie des Haushalts ist!!!
    Unsere Spuren eben erst getaner handwerklicher Tätigkeit waren in die Augen rinnender Schweiß, schmerzgebückter Gang und die Schrunden an den Händen vom Schraubenzieher… Oh dear.

    Hast Du eine Idee durch was man die Kirschen ersetzen könnte? Vielleicht Johannisbeeren? Das Rezept liest sich toll… Ich würde noch grob gehackte weiße Schokolade hineingeben 🙂

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    • Tja, Du weißt ja, dass Genies oft verkannt werden. Dieses Schicksal teilst Du eben mit Mr. Lopez. Und Du hast recht, an sich wäre es Senor Lopez…

      Die Kirschen ersetzen? Hmmm… Brombeeren vielleicht? Kannst Du die essen?

      Gefällt mir

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