Juli 15, 2013
mandarinenfalter

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Baguette Parisienne… die Menschen von Ikaria

Baguette Parisienne
Zubereitung:

Wasser und Hefe in eine kleine Schüssel geben und für 10 Minuten beiseite stellen. Mehl und Salz in einer großen Schüssel mischen. Das Hefe-Wasser hinzugeben und gerade soweit untermischen, dass es keine trockenen Nester mehr gibt. Nur mit einem Kochlöffel oder der Hand arbeiten. Anschließend die Schüssel mit Folie abdecken und 12-16 Stunden an einen kühlen Ort stellen (z.B. in den Keller). Nach dieser Zeit hat sich eine blubbrige Teigmasse gebildet.

Eine Arbeitsfläche gut mit Mehl bestäuben und den Teig mit Hilfe eines Teigschabers auf die bemehlte Arbeitsfläche gleiten lassen. Den Teig nicht kneten, sondern nur in drei etwa gleich große Teile teilen. Drei Baguettes formen und in eine Baguette-Backform legen. Diese Backformen sind ca. 37 cm lang und für 3 Baguettes geeignet.

Den Backofen auf 250 Grad Ober- / Unterhitze vorheizen und die Teiglinge in der Baguette-Backform gehen lassen, bis der Teig die Form gut ausfüllt. In der mittleren Schiene des Backofens für 10 – 15 Minuten backen.

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Gestern habe ich einen unglaublich interessanten Artikel über Ikaria gelesen. Ikaria ist eine kleine griechische Insel im ägäischen Meer. Es leben knapp über 8.000 Menschen auf ihr und alle dort leben unglaublich lange. Die meisten Menschen werden über 90, oft sogar 100 Jahre alt. Und sie werden nicht nur so alt, sondern sind auch noch körperlich gesund und geistig völlig klar.

Je älter ich werde, desto mehr Gedanken mache ich mir darüber, was für mein Leben wichtig ist, was in mir wirkliche Zufriedenheit auslöst und ganz zwangsläufig, auf was ich eigentlich alles verzichten kann. Die Menschen auf Ikaria sind nach westlichen Standards arme Leute. Sie haben ein kleines Häuschen, kein Auto, keinen Fernseher. Sie gehen nicht in Urlaub und tragen nicht die neuste Mode. Sie essen, was ihre Ziegen, Hühner und die großen Gärten ihnen jeden Tag auf den Tisch liefern. Sie stehen morgens auf, wenn sie wach sind und gehen abends schlafen, wenn sie müde sind.

Was also im Klartext heißt, dass ihr Nahrung aus selbstgeerntetem Gemüse, Obst, Fisch, Joghurt, Käse, frischem Brot, viel Olivenöl und 2 bis 4 Gläsern Rotwein am Tag besteht. Und dass sie, wenn sie mittags müde sind, sich zu einem Nickerchen schlafen legen. Die Menschen auf Ikaria arbeiten den ganzen Tag, aber sie haben den Rhythmus ihrer Arbeit an das Leben angepasst, nicht umgekehrt.

Und sie leben in einer großen Gemeinschaft. Die Nachbarn besuchen sich ständig gegenseitig. Es wird viel gespielt, getanzt, gelacht, gesungen. Niemand ist jemals einsam auf dieser Insel. Und da niemand ein Auto besitzt, muss man die hügeligen Wege von Ikaria laufen, wenn man seine Nachbarn sehen will. „Rente“ gibt es auf Ikaria nicht. Die Menschen arbeiten in ihren Gärten, leben in ihren Familien, helfen ihren Freunden.

Frisches, nicht-industriell verarbeitetes Essen

Ausreichend natürliche Bewegung (gehen, im Garten arbeiten usw.)

Eingebundensein in ein soziales Netzwerk

Gebraucht werden

Viel Schlaf

Diese 5 Grundsätze habe ich aus dem sehr langen Artikel für mich herausgesucht. Und dann habe ich eine Weile darüber nachgedacht. Mein Opa (Nonno) und meine Oma (Nonna) sind jetzt 85 und 88 Jahre alt. Sie hatten nie viel Geld, aber seit ich denken kann war ihr Haus eine Sammelstätte für eine riesige Familie und viele Freunde. Eigentlich ist immer etwas los. Einsam sind Nonno und Nonna sicher nie gewesen.

Nonno und Nonna standen immer früh auf. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind oft morgens um fünf Uhr in die Küche getappst kam, wo Nonno und Nonna auf Knien ihre Morgenandacht gehalten haben. Aber sie sind auch immer früh ins Bett gegangen und haben bei Bedarf ein Mittagsschläfchen eingelegt.

Eines der am häufigsten verwandten Schlagwörter in meinem Gedächtnis (neben: „Das ist über den Hackklotz gegangen“, auch bekannt unter: Das habe ich weggeworfen) ist: „Einen Einsatz machen“. „Einen Einsatz machen“ heißt bei Nonno und Nonna, dass sie losziehen, um alles und jedem in jeder nur erdenklichen Hinsicht zu unterstützen. Nähmaschinen-Schmuggel für eine befreundete Familie in die rumänische Diktatur der 60er Jahre? Aber klar doch. Häuserbau, Baumfällarbeiten, Transportunterstützung beim Waschmaschinenkauf auch jenseits der 80? Kein Ding. Nicht gebraucht oder alt haben sich meine Nonna und mein Nonno also auch nie fühlen müssen und genug Bewegung hatten sie durch die „Einsätze“ und die Gärten immer.

Ja, die Gärten. Frische Zutaten gab es immer reichlich und meine Nonna kocht fantastisch. Ich weiß immer noch nicht, wie sie es macht, denn ihr einziges Gewürz ist eigentlich Salz, aber ich habe noch in keinem Restaurant so gut gegessen wie bei meiner Nonna. Es gab immer sehr viel frisches Gemüse, Kartoffeln, Salat und zum Frühstück eine große Schüssel Porridge. Als Kinder haben wir Erdbeeren und Himbeeren direkt in unsere Münder hinein geerntet, es war ein Traum.

Nonno und Nonna haben, ihrem Alter entsprechend ein paar Zwicks und Zwacks. Mein Nonna hört nur noch schlecht und mein Nonno hat Probleme mit seiner Hüfte. Aber beide sind glasklar und ihr Humor haut mich immer wieder weg. Alle diese Dinge, die ich in dem Artikel über Ikaria gelesen habe, treffen in vollem Umfang auch auf die beiden zu… kein Wunder, dass sie also die Menschen sind, die sie sind.

Für mich bedeutet das zwei Dinge. Zum einen, dass der Artikel recht hat und zum anderen, dass ich noch viel intensiver darüber nachdenken will, was ich in dieser hektischen Zeit, in der wir leben aus meinem Leben streichen will und auch kann und für welche Menschen und Dinge ich mir mehr Zeit nehmen möchte. Und ich möchte mir überlegen wohin mein Leben führen soll, denn wenn ich eines Tages 100 Jahre alt bin, will ich darauf zurückblicken und denken: „Was für eine Geschichte!“ Ich bin ganz sicher, dass ein glücklicheres Leben, ein Leben mit „weniger“ ist. Zumindest für mich.

Und da wir gerade bei „weniger“ sind. Dieses Rezept ist eigentlich nicht neu. Um genau zu sein, habe ich es bereits vor eineinhalb Jahren gepostet -Klick-. Auch als Laib ist dieses Brot super! Meine Freundin Reh hat es allerdings noch verbessert, indem sie daraus Baguettes geformt hat. Was die Sache natürlich noch viel brillianter macht, denn dadurch hat man viel mehr Kruste. Und man kann nie genug Kruste haben, richtig? Richtig!

Gerade jetzt in der Grillsaison ist es auch ein geniales Mitbringsel. Also Brot backen, mit lieben Menschen teilen und danach ein schönes Schläfchen. Auf die nächsten 100 Jahre!

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4 thoughts on “Baguette Parisienne… die Menschen von Ikaria

  1. Danke für diesen schönen und sehr nachdenkenswerten Beitrag!

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  2. Dsa Brot ist soooooo lecker!!! Wenn ich nur einen Backofen hätte, dann würde ich jeden Tag ein kleines backen 🙂

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