Mai 4, 2013
mandarinenfalter

7 comments

Erdbeer-Rhabarber Limonade

Limonade II

Wenn ich Zeit habe gehe ich sehr gern sehr früh morgens joggen. Ich meine wirklich früh. Heute zum Beispiel war ich um exakt 06:45 Uhr auf der Piste. Wahrscheinlich halten mich die meisten für wahnsinnig, aber es ist wirklich eine wunderbare Zeit, um unterwegs zu sein. Ich begegne auf meinem gesamten Weg keiner Menschenseele, was toll ist. Denn dann können die Natur und ich uns völlig ungestört miteinander beschäftigen. Genauer gesagt kann die Natur dann mich besser beschäftigen.

Ich bin nämlich seit meiner frühesten Kindheit ein großer Tierretter und kann sprichwörtlich an keinem Würmlein vorbeirennen ohne ihm zu helfen. Da es letzte Nacht kräftig geregnet hatte, waren entsprechend viele Regenwürmer und Weinbergschnecken unterwegs. Ist eigentlich schon einmal aufgefallen wie hübsch Weinbergschnecken sind? Diese sanft braun-ocker gefärbten Häuschen. Die zierlichen Fühler und die völlig entspannte Art mit der sie durchs Leben gleiten? Eben… sehr hübsche Tiere. Die kann ich doch nicht mitten auf einem Weg sitzen lassen so dass der nächste Traktor ihnen den Garaus macht.

Wenn ich dann noch die ganzen anderen Begegnungen miteinrechne, dann muss ich sagen, dass jeder frühmorgenliche Jogging-Gang das reinste Abenteuer ist. Das Ganze läuft dann ungefähr folgendermaßen ab:

06:45 Uhr: Beginn meiner Joggingrunde. Ich laufe den Weg entlang. Die Sonne bricht durch die Wolken und taucht die Landschaft vor mir in ein goldenes Licht. Ich laufe leicht, federnd, elegant. Mehr ein Gleiten als ein Rennen. Der Weg ist feucht vom Regen der letzten Nacht. Auf den Wiesen blüht der Löwenzahn und das Wiesenschaumkraut. Die Luft ist erfüllt vom Gezwitscher der Vögel. Ein herrlicher Morgen. Ich lächle während ich laufe.

06:48 Uhr: Erste Begegnung mit einer Weinbergschnecke. Ich greife das Tier vorsichtig am Häuschen und setzte es auf die von ihm angestrebte Seite des Weges. Noch keine sieben Uhr und schon die erste gute Tat des Tages. Unglaublich. Ich laufe weiter. Vor mir schrecken im Rapsfeld zwei Feldhasen auf. Ich kann mein Glück kaum fassen. Keine Kaninchen. Echte Feldhasen. Leider selten geworden. Der Tag wird immer besser.

06:55 Uhr: Die nächste Schnecke. Dieses Mal von links nach rechts meinen Weg kreuzend. Wie Madam möchte setze ich sie auf die rechte Seite des Weges ins satte Grün der Wiese, wünsche ihr noch eine angenehme Reise und laufe weiter.

06:59 Uhr: Meine Güte, es ist doch ganz schön anstrengend. Gefühlt laufe ich schon seit 3 Stunden diesen Weg entlang. Von einem federnden, leichten Gang oder gar einem Gleiten kann keine Rede mehr sein. Aber egal. Hauptsache ich komme vorwärts.

07:04 Uhr: Eine Schnecke. Schon wieder. Wie viele von diesen Tierchen sind eigentlich auf diesem weg zuhause? Egal. An den Rand gesetzt und weiter geht es.

07:06 Uhr: Ich lächle nicht mehr. Gerade habe ich eine Mücke verschluckt und ich würge immer noch. Abartig was hier alles so herumfliegt. Inzwischen keuche ich so laut, dass auch der MP3-Player nichts mehr übertönen kann. Zum Glück bin ich allein unterwegs.

07:10 Uhr: Diese %§&% Schnecken. Das kann doch nicht wahr sein. Ich bin mir ganz sicher, dass ich die hier schon einmal zur Seite gesetzt habe. Wie ist die so schnell hierher gekommen? Bin ich etwa langsamer als eine Schnecke? Die Frage wird mich den ganzen übrigen Weg verfolgen. Ich schwitze. Ganze Sturzbäche rinnen an meinen Schläfen herab.

07:11 Uhr: Möglicherweise werde ich es nicht mehr zurückschaffen. Meine Lunge steht kurz vor dem Platzen. Man reiche mir Blatt und Stift damit ich meinen letzten Willen für die Nachwelt niederschreiben kann. The End is near… ist das da vorne etwa schon wieder eine Schnecke?

07:12 Uhr: Ich erreiche den See bereits in einem Vorstadium des Deliriums. Undeutlich erkenne ich vor mir das nächste Tier, dass gerettet werden sollte. Ich eile darauf zu, voller Enthusiasmus. Bereit sein Leben zu verlängern, ja zu retten. Der Erpel springt empört auf die Beine und watschelt unter wütendem Schnattern zum Wasser. Er wünscht offensichtlich keine Rettung. Undankbare Natur. Ich singe für ihn „Don´t run and hide, it´s a wonderful wonderful life…“ Der Erpel ist nicht interessiert.

07:16 Uhr: Mein Gesicht fühlt sich an als ob es von innen heraus von einer 230 Watt Glühbirne erleuchtet würde. Das mag an dunklen Herbstabenden sehr nützlich sein. So ein Glow-in-the-dark Schädel könnte einem glatt die Taschenlampe ersetzen. Jetzt allerdings scheint es eher so, dass man Gehirn davon gegrillt wird. In der Ferne erklingt ein langgezogener, klagender Schrei, der einem glatt das Mark in den Knochen gefrieren lassen könnte.

07:18 Uhr: Mein Gehirn ist langsam, aber es lebt noch. Gerade ist mir eingefallen, dass die Familie hier Pfauen hält. Es handelt sich also nicht um einen ruhelosen Geist der einer ermatteten Joggerin auflauert, sondern um Tiere. Tiere… die hoffentlich nicht gerettet werden müssen. So langsam sehe ich Land bzw. die Chance bald wieder an meinem Auto angekommen zu sein.

07:25 Uhr: Mein Jogging-Mantra hallt in meinen Ohren wieder. „Niemals aufgeben, niemals aufgeben“ nuschele ich mit ersterbender Stimme. Die letzten beiden Schnecken habe ich ich (wörtlich genommen) übersprungen. Vermutlich sind es die gleichen, die ich zu Beginn schon „gerettet“ hatte. Vielleicht werden sie leben, vielleicht nicht. Darwin. Survival of the fittest. Wer bin ich schon, dass ich der Natur ins Handwerk pfusche? Ha!

07:32 Uhr: Endlich am Auto. Schweiß abwischen. Trinken. Ausruhen. Alles in allem kein schlechter Morgen… war doch eigentlich ganz nett… könnte man mal wieder machen… Aber dann bitte ohne Schnecken…

Und hier jetzt mein Beitrag zum Küchenplausch Rhabarber-Event:

http://kuechenplausch.files.wordpress.com/2013/04/rhabarberbanner.jpg

Zutaten für etwa 1 Liter:

500 Gramm Rhabarber, sauber aber mit Schale
500 Gramm Erdbeeren, geputzt
150 Gramm Zucker
1,5 Liter Wasser
80 ml frischer Zitronensaft (etwa 2 Zitronen)

Zubereitung:

Den Rhabarber in etwa 3 – 4 cm lange Stücke schneiden. Die Erdbeeren halbieren. Beides zusammen mit dem Wasser und dem Zucker in einen großen Topf geben und einmal aufkochen lassen. Anschließend die Hitze etwas zurücknehmen, so dass die Mischung nur noch leise vor sich hin köchelt. Für etwa 20 Minuten auf dem Herd belassen und im Anschluß durch ein feinmaschiges Sieb in einen großen Krug oder eine Schüssel abgießen. Vollkommen erkalten lassen und dann noch für eine Stunde in den Kühlschrank stellen (Limonade schmeckt kalt einfach besser). Ganz zum Schluß noch den Zitronensanft zufügen.

Man kann die Limonade pur trinken, aber ich mag sie am liebsten in einem Mischungsverhältnis von 50:50 mit Mineralwasser. Sehr prickelnd, fruchtig und erfrischend.

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7 thoughts on “Erdbeer-Rhabarber Limonade

  1. Ich habe beim Lesen Deines „Jogging-Abenteuers“ alles bildlich vor Augen gehabt und ich habe sehr gelacht. Aufgeben? Never-Ever!!! Demnächst retten wir mal wieder zusammen die Tierwelt.
    Ma

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  2. Ich musst auch laut lachen beim Lesen Deines Joggingberichts! Besonders „glow in the dark“-Gesicht kommt mir dermaßen bekannt vor…
    Letztens habe ich mit N. Regenwürmer gerettet – aus austrocknenden Straßenpfützen in den feuchten Boden unterm Gebüsch getragen. Er war ganz beeindruckt und auch ein bisschen verwundert („Was macht der da, der Regenwurm?“ „Der kriecht und frisst in der Erde“ „???“). Hihi. Eigentlich seltsam, dass man als Regenwurm auch IN der Erde lebt…

    Oh, Rhabarber. Ich hab schon ein Rezept für Rhabarber-Cupcakes mit Baiserhaube für Muttertag rausgesucht – psssssst, noch geheim 😉

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    • Wenn ich so darüber nachdenke hast Du absolut recht. IN der Erde zu leben scheint wirklich ein seltsames Konzept zu sein 😉

      Zu Rhabarber passt Baiser aber auch einfach super. Und da ich ja weiß, wie gut Du backen kannst werden die bestimmt der Hit!

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      • Jaaaaa, letztes Jahr war es etwas unerfolgreich (ich mache oft zu Muttertag was mit Rhabarber, das mag die Mama): Der Rhabarber war so sauer, dass ich ihn zuckern musste. Du weißt, ich mag es gerne sehr sauer, gerade in Kombination mit süßem Baiser o.Ä., aber das ging beim besten Willen nicht ohne. Dann hat er beim Backen Wasser gezogen, jede Struktur verloren und der Teigoden und der Eierguß wurden Matschepampe. War dann ein bisschen ein unansehnliches Löffeldessert, hihi. Spontan umdisponiert.
        Beim Backen mit Obst gibt es viele Unwägbarkeiten, das macht mich unentspannt…

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  3. Diese Limonade ist köstlich. Nicht zu süß, sehr erfrischend…einfach gut! 🙂

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