Juni 12, 2012
mandarinenfalter

2 comments

Bananenkuchen für meine Großeltern

Als meine Oma 1925 und mein Opa 1928 geboren wurden, wurden die weltbesten Großeltern der Welt an den Start geschickt (die daraufhin logischerweise die beste Mutter und die besten Tanten der Welt auf den Weg gebracht haben…).

Meine Oma ist die coolste Frau überhaupt. Als Fahrer eines Autos kann es einem beispielsweise durchaus passieren, dass einem Bonbons aus der hinteren Reihe ins Genick geworfen werden. Das ist der Versuch meiner Oma dem Fahrer die öde Zeit zu versüßen. Als wir Kinder waren spielte sie mit uns stundenlang „Dunkelfangerles“ und „Rennen um die Tischtennisplatte“. Sie hatte gruselige Geschichten zu erzählen und es gab immer selbstgemachten Schokoladenpudding. Überhaupt kann meine Oma so gut kochen, dass es einem ganz schwindlig werden kann. Besonders ihr Salatdressing und die Markklößchensuppe (wobei KlößCHEN in dem Zusammenhang eine leichte Untertreibung darstellt) sind der Hammer. Und das Beste daran ist, dass meine Oma nie irgendwelche exotischen Gewürze oder sonstige Kniffe angewandt hat. Trotzdem kocht sie besser als alle anderen. Den gedeckten Tisch fand ich schon als Kind das spannendste, was ich je in diesem Zusammenhang gesehen hatte. Kein Teller passt zur Tasse, kein Unterteller zum Teller und beim Besteck bin ich nicht einmal sicher, ob es zweimal das gleiche gibt. Der perfekte, chaotische, liebevolle, interessante und witzige Tisch. Ganz genauso soll es auch bei mir sein. Auch heute noch packt sie mich, wenn wir uns sehen am Handgelenk, zieht mich in ein Eck und drückt mir mit verschwörerischer Miene einen Geldschein in die Hand. Widerspruch zwecklos. Es folgt prompt der Griff ans Herz und der Satz: „Kein Wort“ begleitet von einem verschmitzten Lächeln.

Mein Opa ist der coolste Mann der Welt. Ich meine, klar ist er 84 Jahre alt, aber hey… erst mit 90 sollte man aufhören Bäume zu fällen und dazu mit Steigeisen bis in die Krone hinauf zu klettern. Mein Opa befördert Dinge gern „über den Hackklotz“ (wörtliches Zitat). Was soviel heißt, dass Sachen im Besten Fall entsorgt, meistens aber verbrannt werden. Möbel, Bücher, Dinge, die er nicht mehr haben möchte… weg damit! Eigentlich ist es ja schön, dass er nicht an Gegenständen klebt, manchmal wird es aber auch schwierig. „Opa, wo hast Du denn Deine Spendenbescheinigungen hin. Die brauchst Du für Deine Steuererklärung.“ „Die sind über den Hackklotz…“ Oi! Mein Opa ist außerdem der hilfbereiteste und freigiebigste Mensch, den ich kenne. „Opa, was für ein schöner neuer Teppich.“ „Willst Du ihn haben? Du kannst ihn gleich mitnehmen“. Mein Opa liebt Süßigkeiten über alles. Drei Magnum am Stück – kein Problem. Viermal Torte – immer her damit. Für uns Kinder hing er Schaukeln auf, pflückte Kirschen und stellte den Rasensprenger an, damit wir unter Kreischen hindurchspringen konnten.

Bei meinen Großeltern gab es nie ein: Sei nicht so laut, zieh deine Schuhe aus, mach nichts schmutzig, sei still, ich habe jetzt keine Zeit… ebenso wenig bei meiner Ma oder meinen beiden Tanten. Das Haus meiner Großeltern ist bis heute ein Platz für alle Menschen. Jeder kann kommen und jeder ist willkommen. Es ist laut, bunt und fröhlich und ich liebe meinen Opa und meine Oma heiß und innig. Hoffentlich werden beide 150 jahre alt. Ich will ihnen schließlich noch meine eigenen Kinder vorstellen können… den weltbesten Großeltern ever.

PS: Der Kuchen wird wunderbar locker und saftig. Mein Opa hat 1/3 des Kuchens allein verdrückt und ihn für „sehr gut“ befunden und eines ist klar: Mein Opa kann einfach nicht irren…

Zutaten für eine Springform 26 cm:

100 Gramm weißer Zucker
150 Gramm brauner Rohrzucker
100 ml Buttermilch
275 Gramm Mehl Typ 405
150 Gramm Butter, sehr weich
2 große Eier, Zimmertemperatur
1 TL Vanilleextrakt
3 Bananen, sehr reif, zerdrückt
70 Gramm Kokosraspel
1 TL Natron
1 Prise Salz
1/2 TL frisch geriebene Muskatnuss

Zutaten für die Schokoladensahne:

85 Gramm Schokolade, zartbitter, grob gehackt
420 ml Sahne
2 – 3 EL Zucker
nach Belieben Späne von weißer Schokolade (mit dem Sparschäler von der Tafel geschält)

Zubereitung des Bananenkuchens:

Den Backofen auf 180 Grad Celsius vorheizen. Einen Gitterrost in die mittlere Schiene des Backofens einlegen. Eine Springform von 26 cm Durchmesser mit Backpapier auslegen oder gründlich einfetten. Die Kokosraspeln in einen kleinen Topf geben und bei mittlerer Hitze und häufigem Rühren langsam rösten bis der Kokos zu duften beginnt. Dabei aber nicht mehr als hellbraun werden lassen. Mehl, Salz, Natron und Muskatnuss in einer kleinen Schüssel miteinander vermengen. In einer größeren Schüssel die Butter mit einem Handrührgerät schlagen bis sie weich und cremig ist. Den Zucker zugeben und weiterrühren. Ein Ei nach dem anderen zufügen und jedes Ei komplett einarbeiten bevor das nächste folgt. Den Vanilleextrakt zugeben. Das Handrührgerät auf mittlere Geschwindigkeit zurückfahren und die zerdrückten Bananen zur Buttermischung geben. Die Mischung sieht zu diesem Zeitpunkt nicht besonders attraktiv aus, aber das ist völlig normal, also keine Sorge.

Jetzt abwechselnd die Mehlmischung in drei Portionen und die Buttermilch in zwei Portionen in die Buttermischung einarbeiten. Dabei jede Portion vollständig unterrühren bevor die nächste folgt. Den Teig nicht zu lange rühren sondern nur so weit, dass alles eine homogene Masse ergibt. Zum Schluss noch die Kokosraspeln unterheben. Den Teig in die vorbereitete Springform geben und 35 – 40 Minuten backen. Nach 35 Minuten eine Garprobe mit einem Schaschlikspieß machen. Anschließend komplett auskühlen lassen.

Zubereitung der Schokoladensahne:

Die gehackte Schokolade in eine hitzebeständige Schüssel geben. Die Sahne mit dem Zucker in einen Topf geben und bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren einmal aufkochen lassen. Sofort über die Schokolade gießen und solange rühren bis sich die Schokolade vollständig aufgelöst hat. Für mindestens 3 Stunden, am Besten jedoch für 24 Stunden luftdicht verschlossen in den Kühlschrank stellen. Anschließend mit einem Handrührgerät wie normale Schlagsahne schlagen. Die Schokoladensahne braucht etwas länger um fest zu werden, aber dann passiert es von einem Moment auf den anderen. Also gut aufpassen, sonst hat man Schokoladenbutter. Die Sahne auf dem Kuchen verteilen und nach Belieben mit weißen Schokoladenspänen verzieren.

Rezept abgewandelt nach: Dorie Greenspan

Vor 6 Monaten: Onigiri

Advertisements

2 thoughts on “Bananenkuchen für meine Großeltern

  1. Ich habe diesen wunderbaren Kuchen letztes Wochenende für den Geburtstag meiner Memel gebacken. Das Schokosähnchen war wunderbar, aber der „Boden“ auch – schön saftig und trotzdem nicht zu schwer.

    Seinen letzten Schliff hat der Kuchen bekommen, als wir die Autobahausfahrt mit etwas zu viel Schwung genommen haben. Die daneben stehenden Cake-Pops, die ich in stundenlanger, liebevoller Kleinarbeit erstellt und dekoriert habe, sind umgekippt und allesamt mit der Kugel voran in die Schokosahne gefallen. Blöd, wenn man keine Kuchen-Transportbox hat und das Teil ohne Deckel in einer Klappbox steht… nachdem ich mich von meinem Tobsuchtsanfall erholt hatte, haben wir die Cake-Pops – so gut es eben ging – von der Schokosahne befreit und die Sahne auf dem Kuchen wieder geglättet. Kuchen mit Charakter 😉

    Gefällt mir

    • Oh nein 😦 Du Arme. Ich verstehe völlig, dass Du da eine schwere Zornesattacke bekommen hast. Ich wäre vermutlich explodiert. Schade, die Cake Pops hätte ich sehr gern gesehen.

      Es freut mich aber total, dass Dir der Kuchen geschmeckt hat. Im Originalrezept kommt übrigens noch etwas Rum in den Kuchen… das gibt dann eine heitere Note 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: