Mai 9, 2012
mandarinenfalter

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Schokoladentrüffel-Himbeertorte… ein Drama in fünf Akten…

Donnerstag Nachmittag 17:00 Uhr

Ich habe früher mit der Arbeit aufgehört um mein Baby auf den Weg zu bringen. Sie. Die Eine. Eine Torte. Ich freue mich wirklich hammermässig auf das Backen. Heute werde ich mit den drei Böden anfangen. In weniger als 48 Stunden soll diese Torte bei der Hochzeit meiner Freundin K. verzehrt werden. Am Freitag wartet außerdem noch die standesamtliche Trauung, ein Hausputz und eine Probe für die Aufführung mit meinen Freunden bei besagter Hochzeit. Ich habe einen Torten-Zeitplan erstellt, alle Zutaten eingekauft und bin bereit. Ich höre Mando Diao – Dance with somebody während ich durch die Küche hoppele und die Zutaten aus den Schränken ziehe und Backuntensilien bereitstelle. Meine Laune ist hervorragend.

Donnerstag Abend 19:00 Uhr

Leider musste ich feststellen, dass man nicht zwei oder mehr 24-cm Springformen gleichzeitig in den Backofen bekommt. Also muss ich drei Böden nacheinander backen. Ok, ok. Das kostet etwas mehr Zeit als geplant, aber das macht nichts. Ich backe ja gerne und das verlängert das Vergnügen nur etwas. Ich höre Jason Donovan – Too many broken hearts, weil 80er Jahre Schnulzensongs meine Laune immer heben.

Donnerstag Abend 21:00 Uhr

Der dritte Boden ist aus dem Ofen. Mein gesamter Esstisch steht voller Kuchenböden, abgezogenem Backpapier und anderen Dingen, die ich da „nur eben kurz“ abgestellt habe und „sofort wegräumen“ werde. Der Zeitplan konnte nicht ganz eingehalten werden, aber das hole ich wieder auf… bestimmt… irgendwie… Ich höre Jennifer Rush – The Power of Love. Weil es kaum eine größere 80er Jahre Schnulze gibt und meine Laune etwas gesunken ist. Aber das wird schon. Ich stelle die TK-Himbeeren noch in den Kühlschrank, damit sie bis morgen in Ruhe abtropfen können und mache für heute Feierabend.

Freitag Morgen 06:20 Uhr

Hurra – ein wunderbarer Morgen, denn ich darf backen. Meine Laune hat sich seit gestern Abend deutlich verbessert und ich bin für alles bereit. Ich bereite die Himbeerfüllung zu. Alles klappt hervorragend. Die Welt ist ein fantastischer Ort und Tortenbacken der Traum schlechthin. Keine Ahnung warum ich gestern Abend einen Launeknick hatte. Ich höre Walking on Sunshine von Katrina and the Waves und tanze durch die Küche.

Freitag Morgen 08:00 Uhr

Ich beginne mit dem Hausputz. Ehrlich gesagt ist putzen nicht gerade mein liebstes Hobby. Ich fange mit dem Aufräumen an, danach sehen wir weiter.

Freitag Morgen 08:04 Uhr

Ich beschließe, dass ich nach dieser harten Zeit des Aufräumens eine Pause verdient habe und frühstücke erstmal. Natürlich nur etwas kleines und schnell. Ich habe ja noch viel vor.

Freitag Morgen 09:00 Uhr

Sooo… nach dieser kurzen, kaum erwähnenswerten Pause geht es weiter. Ich höre die Soultans – Can´t take my hands off you, weil ich mit diesem Lied beim staubsaugen gleichzeitig Chachacha tanzen kann. Danach putze ich das Bad. Das ist ganz schön anstrengend. Deshalb gönne ichg mir lieber noch eine Pause.

Freitag Vormittag 10:30 Uhr

Die Pause ist vielleicht ein klitzeklitzekleines bisschen länger ausgefallen als geplant. Mein Zeitplan ist bedrohlich ins Hintertreffen geraten, aber das hole ich alles wieder auf… irgendwie… ganz sicher… Außerdem habe ich festgestellt, dass ich frische Himbeeren kaufen muss (die ich vergessen habe) und dem Bruder der Braut unseren Bundesliga-Tippspiel-Pokal noch überreichen muss, damit der Sieger der Saison (hoffentlich ich) eingraviert werden kann. Bella und ich rasen also los (Bella ist mein Auto) Zuerst zu den Eltern der Braut, um den Pokal abzuliefern. Wir quatschen ein bisschen und noch ein bisschen und dann noch ein bisschen mehr und weiter zum einkaufen. Bella spielt für mich Gilbert O´Sullivan – Matrimony.

Freitag Vormittag 11:30 Uhr

Ich spüre eine gewisse Enge im Bereich meiner Luftröhre. Könnte ein Anzeichen einer schweren Halsentzündung sein. Vielleicht aber auch leichte Panik. Ich bereite die Schokoladenganche zu und höre Shackles von Mary Mary. Alles klappt prima.

Freitag Vormittag 12:45 Uhr

Die Torte ist zusammengesetzt und wandert in den Kühlschrank. In exakt einer Stunde werden meine Freundinnen S. und MK. bei mir auftauchen, damit wir zusammen zum Standesamt pilgern können. Ich sprinte durch meine Küche, die aussieht als ob die Schlacht bei den Thermopylen hier ausgetragen wurde. Ich wasche ab, schrubbe, putze, keuche und schwitze. Ich höre 2 Unlimited – No Limit … und schwitze noch mehr. Danach springe ich in die Dusche, in die Kleider und es klingelt an der Tür… gerade noch geschafft…

Freitag Abend 20:00 Uhr

Mein Zeitplan ist pulverisiert. Die Trauung und die Probe wären geschafft, aber die Torte wartet auf mich. Ich bereite die Buttercream vor. Nicht jedoch bevor ich einen Schwall unflätiger Worte ausgestossen habe. Meine Küchenwaage spinnt und ich muss zu allen Gewichten 84 Gramm addieren, um zum richtigen Messergebnis zu kommen. Eine halbe Stunde versuche ich mich an einer Reparatur, dann gebe ich auf. Wer hat eigentlich behauptet, dass backen Spaß macht? Derjenige muss doch nicht ganz knusper gewesen sein. Ich höre Seasons in the Sun in der Version von Nirvana.

Freitag Abend 22:00 Uhr

Ich habe es endlich geschafft die Torte mit der fertigen Buttercream zu überziehen. Vor meinen Augen tanzen kleine Funken und ich motze meinen Freund an. Die Welt ist ein dunkler, trostloser Ort bar jeder Freude. Vermutlich werde ich diese Torte nicht überleben. Schreibt auf den Grabstein: Sie wollte alles – aber die Torte war stärker als sie… ich höre La Traviata – Violetta stirbt gerade…

Samstag Morgen 05:40 Uhr

Ich liege in den letzten Zügen. Unter Aufbietung all meiner Kräfte vollende ich die Torte mit dem Schokoladenguss und den Verzierungen. Nie wieder backen… nie wieder Torte… nie wieder ein Zeitplan… ich höre das Rauschen meines Blutes – in B-Moll

Samstag Nachmittag 17:00 Uhr

Von allen Kuchen auf der Hochzeit war meine Torte als erste verspeist. Hurra! Backen ist die wundervollste Freizeitbeschäftigung überhaupt. Morgen will ich sofort wieder loslegen! Ich höre mich selbst lachen… na klar…

Zutaten für eine 24 cm Springform:

für die Böden:

133 Gramm Backkakao
1 gehäufter EL Espressopulver
380 ml kochendes Wasser
180 Gramm Saure Sahne
350 Gramm Butter, sehr weich
350 Gramm Zucker
3 große Eier
270 Gramm Mehl
1 1/2 TLNatron
1 gestrichener TL Salz

für die Himbeerfüllung:

470 Gramm Himbeeren (TK-Ware), aufgetaut
80 Gramm Zucker
3 gehäufte EL Speisestärke
1 TL Zitronensaft

für die Schokoladenganache:

235 Gramm Schokolade, zartbitter, fein gehackt
230 ml Sahne
3 gehäufte EL Butter, sehr weich

für die Himbeer Swiss Meringue Buttercream:

320 Gramm Zucker
4 große Eiweiß
320 Gramm Butter
1/2 TL Vanilleextrakt
80 Gramm Himbeerpüree (durch ein Haarsieb gestrichen)

für den Schokoladenguss:

120 Gramm Schokolade, zartbitter, fein gehackt
120 ml Sahne
60 ml Light Corn Syrup
2 TL Vanilleextrakt

Zubereitung:

3 Böden:

Den Backofen auf 180 Grad Ober- Unterhitze vorheizen. Drei 24-cm Sprinformen buttern, mit Mehl bestäuben, das überschüssige Mehl herausklopfen und die Böden mit Backpapier auslegen. Kakao- und Espressopulver in einer kleinen Schüssel miteinander vermengen, mit dem kochenden Wasser übergießen und alles gut verrühren. Etwas abkühlen lassen und die saure Sahne untermischen. Beiseite stellen. In einer zweiten Schüssel das Mehl mit dem Salz und dem Natron vermischen und ebenfalls beiseite stellen. In einer dritten Schüssel die Butter und den Zucker mit einem Handmixer in etwa 5 Minuten cremig aufschlagen. Ein Ei nach dem anderen hinzufügen, dabei jedes Ei komplett unterrühren bevor das nächste zugegeben wird. Dann noch den Vanilleextrakt einrühren. Die Geschwindigkeit des Handrührgeräts auf „langsam“ stellen und die Mehlmischung in drei Portionen und die Kakaomasse in zwei Portionen unter die Buttermasse rühren. Mit den trockenen Zutaten beginnen und enden. Jede Portion komplett unterrühren bevor eine weitere hinzugefügt wird. Den Teig gleichmäßig auf die drei Springformen verteilen und auf der mittleren Schiene des Backofens 30 – 35 Minuten backen.

Himbeerfüllung:

Die Beeren in einem Sieb auftauen lassen. Dabei die austretende Flüssigkeit auffangen. Soviel Wasser hinzufügen, dass man insgesamt 300 ml Flüssigkeit erhält. Mit dem Zucker und der Stärke in einen kleinen Topf geben und bei mittlerer Hitze aufkochen. Unter gelegentlichem Rühren so lange köcheln bis die Masse einzudicken beginnt. Kräftig umrühren damit sich keine Klumpen bilden. Wenn die Masse eingedickt ist vom Herd nehmen und den Zitronensaft unterrühren. Die abgetropften Himbeeren unterheben und die Masse abdecken und beiseite stellen.

Schokoladenganache:

Die gehackte Schokolade in eine hitzebeständige Schüssel geben. Die Sahne in einem kleinen Topf bei mittlerer Temperatur erhitzen bis sie zu köcheln beginnt. Sofort vom Herd nehmen und über die Schokolade gießen. Für ein paar Augenblicke ruhen lassen und anschließend mit einem Löffel solange rühren bis die gesamte Schokolade in der heißen Sahne geschmolzen ist. Die Butter löffelweise unterrühren. Beiseite stellen bis die Ganache abgekühlt ist. Dadurch wird sie auch dickflüssiger. Etwa eine Kaffeetasse voll von der abgekühlten Ganache beiseite stellen. Eine weitere Kaffetasse voll in einen Spritzbeutel geben.

Die Torte zusammensetzen:

Eine geeignete Tortenplatte bereitstellen. Backpapier in drei breitere Streifen schneiden und so auf die Tortenplatte legen, dass ein Dreieck entsteht. Den ersten Boden so daraufsetzen, dass alle drei Streifen Backpapier darunter deutlich hervorstehen. Etwas von der Ganache auf dem ersten Tortenboden verstreichen. Mit dem Spritzbeutel am äußeren Rand des Bodens einen Ring ziehen. Das verhindert, dass die Himbeerfüllung ausläuft. Einen Teil der Himbeerfüllung in der Mitte der Torte verstreichen bis etwas die Höhe des Ganacherings erreicht ist. Den zweiten Boden auflegen und genau wie beim ersten Boden verfahren. Zum Schluß noch den dritten Boden auflegen. Die Torte abdecken und in den Kühlschrank stellen.

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Swiss Meringue Buttercream:

Zucker und Eiweiß in einen kleinen Topf geben. Sehr vorsichtig erwärmen. Wenn man ein Zuckerthermometer besitzt mit dessen Hilfe so lange erhitzen bis 160 Grad Fahrenheit (etwa 70 Grad Celsius) erreicht sind. Wenn man kein Zuckerthermometer besitzt, so lange erhitzen bis die Masse einzudicken beginnt. Die Eiweiß-Zuckermischung in eine Küchenmaschine geben. Bei mittlerer Geschwindigkeit so lange schlagen bis glänzende und feste Spitzen entstehen. das dauert ca. 8 – 10 Minuten. Die Geschwindigkeit auf langsam zurückfahren und die Butter stückchenweise zugeben. Jedes Stück komplett unterrühren bevor das nächste dazukommt. Wenn die Buttercream zu flüssig wirkt nicht verzagen. Immer weiter schlagen, sie wird fest werden. Das Himbeerpüree eingießen. Theoretisch kann man die Buttercreme zusätzlich mit Lebensmittelfarbe färben. Ich empfehle hierzu Wilton Icing Gel Colours. Bei meinem Versuch war das allerdings nicht nötig. Die Farbe sah auch so hübsch rosa aus. Die Torte damit komplett überziehen, so glatt wie möglich streichen und für mindestens 30 Minuten im Kühlschrank kaltstellen.

Schokoladenguss:

Die gehackte Schokolade in eine hitzebeständige Schüssel geben. Die Sahne in einem kleinen Topf bei mittlerer Temperatur erhitzen bis sie zu köcheln beginnt. Sofort vom Herd nehmen und über die Schokolade gießen. Für ein paar Augenblicke ruhen lassen und anschließend mit einem Löffel solange rühren bis die gesamte Schokolade in der heißen Sahne geschmolzen ist. Den Corn Syrup und den Vanilleextrakt unterrühren. Den Schokoladenguss für zehn Minuten beiseite stellen. Nicht länger, sonst wird er zu dick zum Überziehen. Den Schokoladenguss langsam über die Torte gießen. Der Guss soll auch über den Tortenrand hinausfließen. Wieder etwa 5 Minuten verstreichen lassen. In der Zwischenzeit die übriggebliebene Ganache etwas erwärmen und anschließend in einen Spritzbeutel geben. Auf den noch warmen Schokoladenguss vorsichtig kleine Tupfen Ganache setzen und diese mit jeweils einer Himbeere dekorieren.

Rezept: abgewandelt nach Annie Eats

Vor 6 Monaten: Banana Chocolate Bread

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9 thoughts on “Schokoladentrüffel-Himbeertorte… ein Drama in fünf Akten…

  1. Echt irre!! Bin begeistert! Danke nochmal, dass du dein Meisterwerk für unsere Hochzeit gebacken hast!

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  2. Die Buttercreme war das beste! LEKKER! Himbeeren sind meine liebsten Lieblingsfrüchte ❤

    Wie schon bemerkt, auch meine Logistik wurde durch die Probe völlig zur Makulatur… Mein Soundtrack zur Pralinenherstellung war auch 80ies Musik und abwechselnd Fluchen, Frohlocken und "Mist, fehlt ja noch Zitronengras, auf zum Asia-Laden", hihi. Ich glaub, das ist die akustische Begleitung zu jeglichen latent aufwändigen Unternehmungen kulinarischer Natur :-))

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  3. Food-Irrsinn… vielleicht wird das DIE neue zu behandelne Störung 😉

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  4. Die Torte war echt der Hammer. Ich weiß allerdings nicht, wer sie geschnitten hat. So 2 auf 2 cm große Stückchen wären geeignet gewesen, dann hätten
    a) mehr Leute etwas davon bekommen und
    b) man hätte auch noch von den anderen Kuchen probieren können, was denjenigen, die in den Genuss dieser Wahnsinnstorte kamen, aufgrund von akuter Völlerei verwehrt geblieben ist.
    Ich war die Glückliche, die das letzte Stückchen ergattert hat. Ich habe es mit 2 anderen Leuten geteilt 🙂

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  5. Pingback: Hochzeits-Highlights « Heute hier, morgen dort

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