März 7, 2012
mandarinenfalter

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Nigella und ich IIX – Madeleines in zwei Varianten

Wir leben in einer zivilisierten Welt. Große Abenteuer sind auf dem Weg zur Arbeit, in der Freizeit, beim Einkaufen oder auch daheim im Allgemeinen nicht zu erwarten. Deshalb zieht es viele Menschen in ihrem Urlaub auch zu den interessantesten Aktivitäten. Extrembergsteigen im Himalaya, Survival-Camps mit selbstgeschaufelten Latrinen und Regenwürmern als Hauptmahlzeit, tauchen am Great Barrier Reef mit weißen Haien oder für gestresste Manager mit Gallenproblemen: Umarme einen Baum… Dabei lauert die größte Herausforderung doch direkt vor der Haustür. Es ist nicht nötig viel Geld auszugeben, um diesen Kick zu erleben. Es ist jede Woche zu erleben und nichts, gar nichts kann sich messen mit…

…einem Einkauf bei Aldi an einem Montag oder Donnerstag Morgen. Für alle die es nicht wissen sollten: An diesen Tagen bietet der Discounter seine speziellen Angebote feil. Normalerweise bin ich um acht Uhr morgens nicht beim einkaufen zu finden, aber letzte Woche gab es Zitronenbäumchen zu kaufen und da habe ich mich (naiv wie ich bin) völlig ahnungslos in Dantes Inferno begeben. Es gab hauptsächlich zwei Artikelgruppen im Angebot: Gartenzubehör und Kinderbekleidung… heute weiß ich, dass es sich um die unheilvollste Kombination überhaupt handelt, aber die Konsequenzen waren mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Um zehn Minuten vor acht bin ich auf den Parkplatz gefahren. Völlig irritiert musste ich feststellen, dass etwa 30 Menschen vor mir angekommen waren. Vor der (noch geschlossenen) Tür standen bereits kampfbereit wirkende Rentner, die Hände fest um den Griff des Einkaufswagen gelegt, den Körper leicht nach vorne gelehnt, die Augen starr auf das Ziel gerichtet. Jeder Neuankömmling wurde mit misstrauischem Blick bedacht und wehe demjenigen der auch nur Anstalten machte sich nicht ordnungsgemäß in die Schlange einzureihen. Neben den Rentnern bildeten die Mütter die größte Kampfeinheit. Im Gegensatz zu den Rentnern (deren Absichten quasi auf der Stirn eintätowiert waren) versuchte diese Gruppe jedoch lässig zu wirken, als ob sie rein zufällig hier vorbeigekommen wären und sich eigentlich Ü B E R H A U P T nicht für das ganze Gedränge um sie herum interessierten.

Das alles war ja schon spannend… aber dann öffneten sich die Türen… Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Müttermafia gut war, aber die Rentner ihnen in Punkto Taktik weit voraus waren. Ist ja auch klar: Lebenslanges Training und die Erfahrung kann man so leicht nicht überbieten. Die beste Strategie hatte ein Ehepaar um die 70 entwickelt (und vermutlich über die Jahre immer weiter verbessert). Er schoss geradeaus durch den Mittelgang auf die Regale zu während seine Ehefrau den langen Weg mit dem Einkaufswagen nahm und die Beute von hinten angriff. Die perfekte Umzingelung… Da ich leider keinerlei Nahkampfausbildung besitze und nicht Aldi-gestählt bin wurde ich von der Masse hin- und hergezogen, bekam zweimal einen Rosenbogen in die Rippen gerammt und wurde einmal fast von einem Einkaufswagen überrollt bis sich meine kalten, klammen Hände endlich um mein heißersehntes Zitronenbäumchen legen konnten. Nach einer halben Stunde schleppte ich meinen zermürbten Körper aus dem Gebäude… erschöpft aber triumphierend… Und diesen Morgen werde ich nie… nie… NIE vergessen…

Zutaten für 24 Madeleines (Grundteig):

100 Gramm Butter, geschmolzen
2 große Eier
100 Gramm Zucker
100 Gramm Mehl (am Besten Typ 00)
2 EL Rosinen
50 Gramm Schokolade, zartbitter
1 TL Sonnenblumenöl
1 EL Nutella

Zubereitung:

Den Ofen auf 190 Grad vorheizen. Die Rosinen in ein Gefäß geben und mit soviel lauwarmen Wasser übergießen, dass sie komplett bedeckt sind. Das Einweichen der Rosinen verhindert, dass sie beim backen hart werden. Anschließend beiseite stellen. Die Eier mit dem Zucker so lange aufschlagen bis eine cremige Masse entstanden ist. Vorsichtig das Mehl unterheben. Die Madeleines-Form mit etwas Butter auspinseln (sonst bekommt man die kleinen Teigmuscheln später nicht mehr aus der Form). Den Rest der Butter noch unter den Teig rühren. Die erste Hälfte des Teigs in die Madeleines-Form geben. Die einzelnen Vertiefungen sollten nur etwa zu 3/4 gefüllt werden, die Gebäckteilchen gehen noch ganz schön in die Höhe. Die Madeleines-Form auf einen Gitterrost geben und auf der mittleren Schiene für ca. 7-8 Minuten backen. Zwischendurch immer wieder ein Auge darauf werfen. Die Madeleines sind fertig, wenn sie eine zarte Bräunung angenommen haben. Wenn sie aus dem Backofen kommen sollte man sie etwa 5 Minuten auskühlen lassen. Danach kann man sie ganz leicht aus den Vertiefungen schieben.

Für die zweite Teigportion das Rosinenwasser abgießen und die eingeweichten Rosinen unter den Teig heben. Anschließend genauso verfahren wie mit der ersten Teigportion. Währenddessen die Schokolade über einem Wasserbad oder in der Mikrowelle schmelzen. Danach Nutella und Öl unterrühren. Die Madeleines ohne Rosinen damit überziehen oder wie ich einfach mal Jackson Pollock spielen und die Madeleines mit wilden Tropfen verzieren. Die Rosinen-Madeleines kann man noch mit Puderzucker bestäuben. Die Madeleines schmecken kalt sehr gut, aber am Besten noch zartwarm und direkt aus dem Ofen… mmmmhhhhhh….

Rezept abgewandelt nach Nigella Lawson

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One thought on “Nigella und ich IIX – Madeleines in zwei Varianten

  1. Ich weiß nicht, ob Du auch so passionierte Schibo-Schopperin bist wie ich?!? (Hehe, Tschibo heißt hier Eduscho!) Wenn Du ein weiteres Zitronenbäumchen oder anderes Pflanzengedöns erstehen möchtest ohne die Gefahr einzugehen, im Pulk wahnhafter Rentner und Mütter ein Körperglied einzubüßen oder Schlimmeres: Ab nächsten Dienstag gibt es das alles im örtlichen Tschibo: http://www.tchibo.de/Garten-Gartenmoebel-t400005468.html
    Das lebendig Grünzeug fängt bei ca 2/3 heruntergescrollt an.

    Gefällt mir

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